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Die Perrins – La Famille et le Vin

Copyright Philippe Martineau

Rhônetal – das ist ein Begriff, den man so bei den Perrins nur selten hört, predigen sie doch von jeher, dass man den Norden und den Süden des Tals nicht über einen Kamm scheren dürfe. Die Böden des Nordens seien von Granit, die des Südens von Lehm und Kalk geprägt. Im Norden würde vorwiegend Syrah ausgebaut, während im Süden Cuvées aus diversen Rebsorten vorherrschten.  

Während im nördlichen Rhônetal mit Butter gekocht und bei sportlichen Events der FC Lyon angefeuert würde, dominiere im südlichen Rhônetal die provenzalische Küche mit Olivenöl, sportlich gesehen orientiere man sich an Marseille. Sie sehen schon: Tiefe Gräben haben sich zwischen den benachbarten Regionen aufgetan. Politisch eigenwillig ist der Süden ausserdem, aus sicherer Entfernung belächelt man die Entscheidungsträger in Paris.

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Château Beaucastel
Château de Beaucastel

Unabhängigkeit und Eigenwilligkeit sind Worte, die auch die Famille Perrin von Beaucastel bestens beschreiben. Im positiven Sinne. Château de Beaucastel ist ohne Zweifel eines der bekanntesten Weingüter in Châteauneuf-du-Pape, welche wiederum die prestigeträchtigste Appelation im Süden Frankreichs ist.

Anfang des 20. Jahrhunderts gelangte Beaucastel in den Besitz der Familie. Jean Pierre und François Perrin führen heutzutage das Unternehmen und arbeiten gemeinsam mit der mittlerweile fünften Generation bestehend aus Marc, Pierre, Thomas, Cécile, Charles, Mathieu und César, während die sechste Generation bereits in den Startlöchern sitzt.

Die Perrins gehören zu den Primum Familiae Vini, sind ungemein erfolgreich, Millionen Flaschen Wein aus ihren Unternehmen werden Jahr für Jahr verkauft. Mindestens genauso interessant wie die Erfolgsgeschichte an sich ist aber, wie es gelingt, die mit jeder Generation wachsende Familie in das Unternehmen einzugliedern, Werte zu vermitteln und den Qualitätsansprüchen treu bleiben. Denn obwohl die Perrins nie einen externen CEO oder CFO hatten, keinem Board von Investoren Rede und Antwort stehen müssen, könnte sich manches grosse Unternehmen ein Beispiel an der Winzer-Dynastie nehmen.

Gel(i)ebter Süden

Die Perrins lieben und leben die Region der südlichen Rhône. Neues Terroir suchen sie bevorzugt mit dem Fahrrad, sind doch alle Mitglieder der Familie leidenschaftliche Radfahrer. Viel zu entdecken gibt es an der Rhône freilich nicht mehr, denn der Boom der letzten Jahrzehnte hat dazu geführt, dass ein Grossteil der brauchbaren Flächen bereits bepflanzt ist.

Man muss nicht Landwirtschaft studiert haben, um zu verstehen, dass diese Umstände für die Umwelt alles andere als optimal sind. Umso beruhigender, dass die Perrins schon seit Jahrzehnten biologisch wirtschaften. Die Familie glaubt fest daran, dass die Reben so natürlich wie irgend möglich wachsen müssen, um guten Wein zu produzieren, der das aussergewöhnliche Terroir der Anbaugebiete wiedergibt. Unkraut wird, wenn nötig, manuell entfernt, Pestizide sind tabu, heimische Hefen werden für die Vinifizierung genutzt.

Künstliche Berieselung wird vermieden, denn nur wenn die Reben ihre Wurzeln tief in den Boden zu bohren, werden die Weine so komplex und vielschichtig, wie sie seien sollen. Damit nicht genug: Marc Perrin betont, auch der Mondkalender komme bei wichtigen Arbeitsschritten zum Einsatz. So entstehen feine Weine und auch die nächste Generation der Familie wird das Land im bestmöglichen Zustand vorfinden.

Visionäre und Pioniere

Bei den Perrins gilt eine eiserne Regel: Niemand darf sich auf den Lorbeeren ausruhen. Alle Familienmitglieder helfen von klein auf im Keller und auf dem Weinberg mit, schon die Kinder lernen, Aromen zu erschnuppern. Um den zukünftigen Generationen Betätigungsspielraum gewährleisten zu können, arbeiten die Perrins schon lange an einer umfassenden Expansionsstrategie.

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Traumhaft schön: das südliche Rhônetal
Traumhaft schön: das südliche Rhônetal

Visionäre sind sie, denn bei ihnen war schon alles bio, als überall sonst noch gespritzt wurde wie verrückt. Schon in den 60er Jahren vergrösserten die Perrins das Unternehmen, kauften das Weinhandels-Unternehmen Vieille Ferme. Pioniere sind sie auch, denn als das Rhônetal einen Boom erlebte und international bekannt wurde, suchten die Perrins bereits seit Jahren nach brauchbarem Boden in Kalifornien, um dort ihr Imperium zu erweitern.

In Paso Robles fanden sie einen geeigneten Ort für ihren Ableger in den USA und machten sich gar die Mühe, die Reben aus Frankreich zu importieren. Ende der 90er Jahre begannen die Perrins in grossem Stil Land in Südfrankreich zu kaufen, um mit der wachsenden Nachfrage schritthalten zu können. 258 Hektare in sieben Appellationen gehören seitdem unter den Label Famille Perrin ebenfalls zum Familienunternehmen. Die Zusammenarbeit mit den Jolie-Pitts auf Miraval in der Provence erlaubt ihnen, mit teilweise jungfräulichen Flächen und gänzlich neuem Terroir zu arbeiten.

Obwohl die Perrins ein Millionenbusiness betreiben, wirkt das Unternehmen weder glatt noch unpersönlich. Geschickte Geschäftsleute mögen sie sein, berühmt aber sind sie für ihre Bescheidenheit und Bodenständigkeit; die Liebe zu ihrer Region und gutem Wein.

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